Haberler Detay
Das Babyfenster ist erfolgreich: Es rettet Leben
Das Babyfenster Einsiedeln feiert am 9. Mai 2011 sein zehnjähriges Bestehen. Seit der Eröffnung im Jahre 2001 wurden sechs Babys abgegeben. Gleichzeitig ging die Zahl der durch Kindsaussetzung umgekommenen und der getöteten Babys deutlich zurück. Damit sind die Erwartungen übertroffen worden. Mütter, die ihr Baby ins Babyfenster legen, haben oft das Kindswohl vor Augen: In drei der sechs Fälle kann das Kind Kenntnis über seine Herkunft erhalten. In einem weiteren Fall wurde das Baby von den leiblichen Eltern zurückgeholt. Die Bevölkerung hat das Babyfenster ins Herz geschlossen: 87% halten es für eine sinnvolle Institution, wie eine aktuelle repräsentative Meinungsumfrage von ISOPUBLIC zeigt.
MEDIENMITTEILUNG zum Muttertag: 10 Jahre Babyfenster Einsiedeln
Das Babyfenster Einsiedeln wurde zum Muttertag 2001 eröffnet. Sein Ziel und Zweck besteht darin, eine Nothilfe zur Abwendung von Kindsaussetzungen und Kindstötungen anzubieten. Frauen in subjektiv ausweglos erscheinenden Notsituationen haben die Möglichkeit, ihr Baby an einen sicheren Ort zu bringen und anonym in gute Hände zu übergeben. In den vergangenen zehn Jahren wurde das Babyfenster sechs Mal genutzt: Zwei Bübchen und vier Mädchen wurden abgegeben.
Wie eine Untersuchung der bekannt gewordenen Fälle von Kindsaussetzungen und Kindstötungen der letzten 15 Jahre zeigt, sind seit der Eröffnung des Babyfensters in der Schweiz deutlich weniger getötete oder durch Aussetzung umgekommene Babys aufgefunden worden. Während in den fünf Jahren vor der Eröffnung des Babyfensters, d.h. von 1996 bis 2000, in der Schweiz sieben getötete oder an den Folgen der Aussetzung verstorbene Babys gefunden wurden, unter anderem auch eines in der Region von Einsiedeln, waren es von 2001 bis 2005 noch vier und von 2006 bis 2010 gar nur noch zwei[1]. Im gleichen Zeitraum wurden sechs Babys ins Babyfenster gelegt und eines im Kantonsspital Zug abgegeben.
Zum 10-jährigen Jubiläum schalten die Betreiber des Babyfensters eine von Grund auf überarbeitete Internetplattform, www.babyfenster.ch, auf, welche zunächst in den Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch geführt wird, dann aber in Kürze auch in Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Türkisch und Albanisch zu lesen sein wird.
Die anfängliche Kritik am Babyfenster, es würde dazu führen, dass Babys leichtfertig abgegeben und somit die Rechte der Kinder verletzt würden, ist mit jedem abgegebenen Baby mehr und mehr verstummt. Die Betreiber des Babyfensters nahmen die Kritik denn auch ernst und versuchten die betroffenen Mütter in einem Brief an die Mutter[2] und über Internet dazu zu bewegen, dem Kind möglichst viele Informationen über die Umstände seiner Abgabe mit auf den Lebensweg zu geben. In vier der sechs Fälle wurde dieses Ziel bisher erreicht: Drei Kinder können nun Informationen über ihre leiblichen Eltern erhalten. In einem Fall wurde das Baby sogar von den Eltern zurückgeholt.
Das Babyfenster wird in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen als ein sicherer Ort wahrgenommen, der über professionelle Abläufe und eine gute Zusammenarbeit zwischen Spital Einsiedeln, Vormundschaftsbehörde und Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK) verfügt. Eine repräsentative Meinungsumfrage von ISOPUBLIC, Institut für Markt- und Meinungsforschung AG, von Ende April 2011 unter 1’103 befragten Personen aus allen Landesteilen der Schweiz ergab, dass 68% der Befragten das Babyfenster kennen. 87% der Befragten erachten das Babyfenster als „sehr sinnvoll“ (50%) oder „eher sinnvoll“ (37%), 7% sind dagegen und 6% machen dazu keine Angaben. 86% wünschen sich die Eröffnung weiterer Babyfenster in der Schweiz. Personen aus der Westschweiz unterstützen dieses Anliegen mit 90%, jene im Tessin mit 93%. Frauen stehen dem Babyfenster noch positiver gegenüber als Männer.
Für weitere Informationen:
Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK),
Dominik Müggler, Tel. 061 703 77 77
Spital Einsiedeln,
Reto Jeger, Tel. 055 418 51 11
Die Vormundschaftsbehörde Einsiedeln erteilt keine Auskünfte.
[1] Ausführliche Informationen zu den bekannt gewordenen Fällen der Kindsaussetzungen und Kindstötungen finden sich auf www.babyfenster.ch.
[2] Siehe Website www.babyfenster.ch